Nach der Prüfung ist vor der Prüfung

Hallo ihr da Draußen!

Im studentischen Leben kommt es hier und da zu ungemütlichen Angelegenheiten. In meinem Fall sind es Prüfungen (ich bin selbstverständlich vollkommen alleine damit!). Grundsätzlich ist das studentische Leben doch eigentlich sehr angenehm. Als guter Student würde ich jetzt sagen: Die Freiheit zu lernen ist die wahre Freiheit (oder so ähnlich). Und es ist auch nicht ganz weit weg von der Wahrheit zu behaupten, dass ich gerne lerne. Aber hier und da kommen Situationen, wo bewiesen werden muss dass tatsächlich etwas gelernt wurde. Ich würde jetzt gerne die Schiene á la „Das, was nicht erwähnt werden darf“ fahren. Aber die Prüfungen kommen – ob ich sie erwähne oder nicht. Entweder die Prüfungen bestehen oder Nebenjobs bis an mein Lebensende. Da ich für ein Großteil der angebotenen Nebenjobs auf Dauer einfach ungeeignet bin und mich die Vorstellung einer beruflichen Perspektive durchaus mit Freude erfüllt, stelle ich mich also der unbequemen Tatsache, dass Prüfungen zu meinem Alltag gehören.

Ist jetzt auch wahrlich nicht so, als würde mich das überraschen. Was mich aber doch überrascht ist die eigene Kreativität bei dem Finden von Ausreden. Gut, ich wusste immer dass ich überdurchschnittlich kreativ bin aber – Junge! – ich bin manchmal wirklich, wirklich gut. Diese Kleinigkeit musste ich, sehr zu meinem Leidwesen, vor gar nicht allzu langer Zeit (spätestens jetzt) feststellen. Im Februar erwarten mich in zwei Wochen drei große Portfolio-Prüfungen. Die genauen Termine habe ich in den letzten zwei Wochen bekommen, aber gewusst habe ich von den ungefähren Terminen seit August letzten Jahres. Da die Antwort auf der Hand liegt, veranstalte ich kein Ratespiel mit dem Namen „Ratet mal, wer im Stress ist“. Es wäre mir gegenüber zwar ausgesprochen unfair zu behaupten, dass ich nicht schon einiges gemacht hätte, gleichzeitig wäre es aber auch maßlos übertrieben zu behaupten ich läge gut in der Zeit. Dieser Text dient auch sicher nicht der Selbstreflexion. Stattdessen möchte ich einmal kurz mit der Welt teilen, wie meine Prokrastination aussieht – und dabei fleißig prokrastinieren!

– Serien anfangen: Mordinstrument eins für die Produktivität (Frei nach dem Motto: „Oh die hat ja nur 18 Folgen!“)

– Putzen/Aufräumen: Wieso erscheint so eine Tätigkeit so wahnsinnig attraktiv, wenn man eigentlich lernen/arbeiten muss?

– Dinge vorschieben: Man wollte schon eine halbe Ewigkeit diverse Dinge erledigen? Kündigungen schreiben? Tesafilm kaufen? Den Schrank neu aufbauen, damit er nicht mehr wackelt? Das lustige Bild mit dem Waschbären und der Teetasse fertig malen? Jetzt ist genau die richtige Zeit dafür.

– Pseudobelohnung: Oh, zwei Seiten abgearbeitet? 30 Minuten produktiv gewesen? Es wird Zeit für 2 Stunden Pause. Die hat man sich schließlich verdient.

– Resignation: Naja, heute lohnt es sich eh nicht mehr anzufangen.

– Falsche Hoffnung: Wenn ich die Serie heute durchgucke, kann ich morgen komplett produktiv sein!

– PPB (Pseudo-Plan-Blockade): Ich kann Schritt B nicht vor Schritt A machen. Für Schritt A kriege ich aber die Materialien frühestens Montag… (Völliger Unfug in den meisten Fällen)

Diese Liste wäre vermutlich bis zum kleinsten und absurdesten Grund weiterführbar. Aber wer ehrlich ist… hier sieht man Prokrastination tatsächlich in einer wunderbar beispielhaften Form. Wer jetzt bemerkt, dass bei ihm/ihr die gleichen Verhaltensmuster vorliegen… ja, gut. Ich habe gelogen. Keine dieser Punkte habe ich erfunden oder zelebriere sie als „Special Little Snowflake“ (SLS) als einzige Person auf unserem nicht ganz runden Planeten. Wikipedia gibt alleine 37 Entsprechungen für „Prokrastination“ in anderen Sprachen an. Auf der „Individualitäts-Skala“ habe ich somit eindeutig verloren.

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Wikipedia bietet sogar Simple English an! Zum einen wusste ich nichtmal, dass es sowas gibt, zum anderen… sollte ich vielleicht einfach weiterarbeiten. Revolutionärer Gedanke!

 

Vielleicht schreibe ich aber auch einen Blog-Eintrag über Nörgeln.

Mal sehen.

Die Kunst des Händedrucks

Oder auch: „Wenn welker Salat die Hand zum Gruße reicht.“

Neulich begab ich mich notgedrungen in eine Situation zum Händeschütteln. Hin und wieder – so habe ich mir sagen lassen – passiert das im Erwachsenenleben. Zwar hatte ich solche Situationen bereits erlebt, dennoch traf es mich immer wieder unvorbereitet. Also stehe ich da in so einer „Erwachsenen-Situation“ und bin gezwungen mir ein erstes Bild über einen Menschen zu bilden und denke bei mir „Bitte nicht.“. Wie in Zeitlupe schiebt man mir seine Flosse entgegen. Gut erzogen, wie ich nunmal bin, verhindere ich kein Zusammentreffen der Hände sondern ergebe mich meinem Schicksal. Die fremde Hand berührt meine. Ich setze zum Händedruck an. Es passiert.

Meine Hand umschließt eine labberige Mischung aus Haut, Fleisch und Knochen mit der Standfestigkeit gammeligen Salats. Aus purer Höflichkeit und Disziplin verzieht sich mein Gesicht nicht zu einer angewiderten Fratze. Es ist hart. Ich leide. Halte ich die Hand eines Toten? Halte ich eine prosthetische Gummihand? Was genau passiert da gerade? Während das Grauen andauert – bitte beachtet, dass wir uns noch in der Zeitlupe befinden – scheint die Hand in meiner schlaffer zu werden. Noch schlaffer – geht das? Ich habe Angst, dass sie mir aus der Hand rutscht und zu Boden fällt… einfach, weil ich sie nicht mehr festhalte. Meine Augen fixieren das Gesicht meines Gegenübers und ich bleibe standhaft. Ich lächle. Mein Gegenüber lächelt zurück und endlich ist es vorbei. Das schlaffe Salatblatt wird aus meiner Hand genommen und kehrt zu seinem Besitzer zurück. Ich widerstehe dem Reflex mir meine Hand zu waschen oder an der Hose abzuwischen. Es war schließlich ein Salatblatt und kein toter Fisch. Also kehre ich tapfer in meinen Modus zurück und bitte den Besucher Platz zu nehmen. Mein Urteilsbaromether ist quasi schon auf 0. Bevor ich wirklich was dagegen unternehmen kann ist meine Abneigung bereits gewachsen. Wie unfair dem Menschen mit gegenüber, den ich gar nicht kenne. Wir reden. Ich lerne den Menschen besser kennen und als wir uns verabschieden bleiben meine Hände dennoch in meiner Hosentasche. Tschüss, ne? Meine Dosis „seriös sein“ habe ich für heute verbraucht.

Jeder Mensch – selbst ich, die ich eine absolut durchschnittliche Menschenkennerin bin – kennt einen Händedruck (Es soll sich jetzt bitte kein Mensch mit komplettem Handverlust ausgegrenzt fühlen!). Die meisten Menschen würden vielleicht sogar drei Typen unterscheiden:

  1. Das welke Salatblatt
  2. Der solide Händedruck
  3. Die Todespresse

Wenn ich einem Menschen die Hand gebe frage ich mich immer „Ist meine Hand schwitzig?“ oder „Klebt meine Hand?“ – sehr beliebt auch – „Wann habe ich die eigentlich zum letzten Mal gewaschen?“. Das denkt sicherlich jeder. Diese kleine Fläche Haut, die sich da berührt, ist wohl oft ein Sorgenthema. Der erste Händedruck ergänzt und dominiert den ersten Eindruck. Es gibt keinen Fall auf dieser Welt oder alternativen Zeitlinien von X-Men wo ein welkes Salatblatt angebracht wäre. Ehrlich mal… was sagt das aus?

  • Ich bin ein welkes Salatblatt.
  • Ich hatte einen Unfall und kann seitdem meine Hand nicht mehr wirklich benutzen.
  • Ich bin unglaublich unsicher und will eigentlich meine Hand nicht geben (Keine Sorge – ich will die auch gar nicht!).
  • Oder vielleicht bin ich aber auch einfach wirklich ein welkes Salatblatt.

Dieser Händedruck treibt nicht nur vielen den Ekel in den Nacken, sondern versaut auch total den ersten Eindruck. Da kann man dann noch so nett und kompetent sein – so einen Händedruck auszubügeln setzt wirklich Fähigkeiten voraus. Gut, gut… die Todespresse ist natürlich keine Alternative, denn niemand will seine Hand gebrochen, zerquetscht oder dauerhaft taub zurückbekommen. Also, bevor man einen Gammelsalat in die Hand gedrückt bekommt oder eine Müllpresse darum… wie wäre es mit einem soliden Händedruck? Einer von der Sorte: kurz, kräftig und selbstbewusst. So ein Händedruck der bei Trauer Solidarität/Mitgefühl ausdrückt oder bei einem Vorstellungsgespräch Selbstbewusstsein/Kompetenz. Ja klar, das hängt irgendwie am Selbstbewusstsein und dürfte vielen Menschen einfach sehr schwerfallen. Aber mal ehrlich… tut euch selbst einen Gefallen und lernt es.

Das nächste welke Salatblatt lasse ich fallen. Es reicht.

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Wie ich das Schnitzel aus dem Fenster warf…

… und es immer wieder tun würde. Tja, was soll ich sagen. Ich bin dick. Tadaaa! Die Welt dreht sich weiter. Nachdem ich jetzt Jahre des Selbstbetrugs, der Prokrastination (kann man ja auf alle Lebenslagen anwenden) und der Resignation hinter mir habe, habe ich mich entschieden endlich etwas zu unternehmen.

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

Wie ich diesen Spruch hasse. Ehrlich gesagt weiß ich nichtmal von wem der ist. Aber gehört habe ich ihn in meinem Leben so oft, dass ich – hätte der Spruch ein Gesicht – sicherlich mal reinhauen würde. Dennoch: er trifft in diesem Fall leider zu. Seit ich 12 oder 13 bin habe ich kontinuierlich daran gearbeitet die Ausmaße eines stattlichen Babyelefanten zu erreichen. Natürlich habe ich die Entscheidung weder bewusst getroffen noch wirklich aktiv in positiver Hinsicht darauf Einfluss genommen. Irgendwie ist es passiert. Und klar könnte ich jetzt sagen „Mimimi, ich habe gegessen weil-“ und da eine Menge Gründe eintragen. Gründe, die ich seit Jahren vorgeschoben habe. Aber mal ehrlich? Es gibt nur wenige echte Gründe.

  1. Ich bin nicht wirklich standhaft.
  2. Ich esse gerne.
  3. Essen ist lecker.
  4. Ich bin sehr genußbedürftig.
  5. Ich bin frustriert, weil ich dick bin.
  6. Ich esse, wenn ich frustriert bin.
  7. Ich bin zu gewissen Teilen sicherlich leicht doof.

In meiner Sturm und Drang Phase habe ich generell – bis auf wenige, klare Momente der Einsicht – stets anderen die Schuld gegeben. Entweder war es mein essensfreudiger Freundeskreis, mein nahes Umfeld was mir zu früh gesagt hat ich sei dick oder aber (sehr beliebt) „Als Kind durfte ich kaum Süßkram essen, daher habe ich bei meinen Freunden zugelangt“. Aber haben meine Freunde mir die Schokolade oder die Pizza in den Rachen gestopft? Nein. Hat man mich in einem Zimmer mit einem chinesischen Buffet eingeschlossen? Nein. Mal ganz ehrlich… jeder Keks, jeder Schokoriegel und jede Pizza wurde mit meinen eigenen, gierigen Grabbelfingern in die Maschinerie befördert. Ich bin der Lokführer und ich habe den Ofen befeuert. Aus einer schlechten Angewohnheit wird eine Sucht und ehe man sich versieht hat man so viel Kontrolle über sich wie ein Wackelpudding im freien Fall. Jedenfalls dachte ich das immer. Eines schönen Tages besuchte ich einen Wildpark mit der Möglichkeit sich auf eine Waage zu stellen und das Gewicht in Tieren anzeigen zu lassen. Klingt spaßig, war es auch. Wie sich herausstellte entsprach mein Gewicht einem weiblichen Tiger. Hey WOW! Sehr lustig anfangs. Man lacht und frotzelt „Hey, ich bin ein Tiger!“. Aber mal ehrlich… ein weiblicher Tiger wiegt zwichen 60kg und 170kg. Und ich war ein wirklich strammer weiblicher Tiger. Spezifizieren wir das etwas weiter glich ich gewichtstechnisch einem weiblichen Bengaltiger der unteren Gewichtsklasse. Während die Raubkatze damit ein top Gewicht hat und klasse aussieht, kann ich das leider nicht von mir behaupten. Diese Tiger-Realisation ist schon etwas her. Und wurde, wie vieles, wieder in eine Schublade im Hirn gesteckt und ignoriert. Monate zogen ins Land und mal sah die Tendenz gut aus, mal sah sie furchtbar aus. Die Frustration stieg. Das Gewicht auch. Tja, was war zu tun? Akzeptiere ich mich als kurvige Frau? Kleine Anmerkung dazu: Dieses Argument der Selbstakzeptanz ist der größte Bullshit des Jahrhunderts. Pfundsfrauen? Kurvenstars? Nee du – Fett ist Fett. Und was der Gesundheit so krass schadet ist NICHT – ich wiederhole: NICHT! – zu akzeptieren. Gebe ich auf? Was hilft? Der absolut erste Schritt:

  1. Realisiere und akzeptiere dein Problem.

So sehr man auch manchmal in der Lage ist die eigenen Ausmaße zu ignorieren und teilweise Monate damit überbrückt: Das ist einfach nur astreiner Selbstbetrug. Klar kann man auf elastische Leggings (Noch eine Anmerkung: Fataler Fehler von den ärgernden Jeans mit engem Bund auf elastische Leggings umzusteigen! Wenn man selbst schon den Gewichtsanstieg super ignoriert, sollte man nicht auch noch ein Kleidungsstück mit der gleichen Eigenschaft tragen! 😉 ) zurückgreifen und schwingende Kleider. Leider wird man keinen Deut schlanker nur weil die Kleidung nicht mehr drückt. Also ein weiterer Punkt:

2. Lasse dir keine Fluchtmöglichkeit.

Ich habe einigen Freunden einfach mein Gewicht mitgeteilt und einmal offen gesagt, dass ich ein richtiges Problem habe. Und hier gilt: Wenn Freunde dir dann nicht wirklich helfen/dich unterstützen sind es keine Freunde. Es geht nicht nur um eine ästhetische Veränderung sondern auch die eigene, langfristige Gesundheit. Ich für meinen Teil habe keinen Bock mit 30 auf massive Gelenkprobleme, Diabetes und andere höchst unlustige Dinge. Und mit 40 möchte ich mir auch nicht die Farbe meines Rollators aussuchen.

3. Entscheide dich. (Ja Papa. Du hattest Recht. Ich gebe es zu.)

4. Habe einen Plan.

FDH (Futter-die-Hälfte)? 5:2 Diät? Low Carb? Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten und jeder muss seine finden. Ich für meinen Teil habe eine gefunden, die funktioniert. Das zählt. Meine bisherigen Diätversuche scheiterten meist an so Sätzen wie „Morgen fange ich an. Dann ist der Start schön am Wochenanfang!“ (Auch sehr beliebt: „Ich nehm den Monatsanfang!“), „Erstmal die bösen Sachen auffuttern, dann von 0 starten.“ (Kein Witz. Das habe ich wirklich gesagt.), „Na, das eine Stück schadet nicht!“ (Ähm… doch.) oder auch „Jetzt habe ich zu viel gekocht. Gutes Essen kann man doch nicht wegschmeißen!“ (Und wieder: Doch! Ob man es wegwirft oder vorher verdaut, verschwendet ist es ohnehin – nächstes Mal weniger zubereiten). Ich hatte immer viel vor, viele lockere Pläne und habe immer alles verschoben oder abgebrochen. Es ging mir nicht schnell genug, da war eine Geburtstagsfeier oder was einem sonst noch so einfällt als Argument. Dann ist man einkaufen und der Käsekuchen beginnt charmant mit den Wimpern zu klimpern. So ging das mehrere Jahre. Und dann plötzlich habe ich mit der Faust auf den Tisch geschlagen und einfach angefangen. Es ist hart. Das meiste Essen ist fad (Tja Kinder… Fett ist halt ein Geschmacksträger). Ich gucke Menschen inzwischen oft beim Essen zu.

Tja und was ist passiert? In den letzten Wochen habe ich ca. einen soliden Kojoten verloren. Verflucht bin ich stolz. Endlich einmal glaube ich fest daran, dass ich es schaffen kann. Ach was, ich weiß dass ich es schaffen kann. Die erschreckende Zahl der Kilos, die wegmüssen, ist geschrumpft. Himmel, ein Drittel habe ich geschafft! Ein Drittel! Und ich werde es bis zum Ende schaffen. Weg mit der wärmenden Blubberschicht. Ich bin kein Wal und möchte auch keine meergeeignete Fettschicht mit mir rumtragen. Auch wenn ich zugeben muss, dass das beim Schwimmen an der russischen Grenze sehr praktisch war… Ich freue mich über jedes Kleidungsstück, was mir zu groß wird. Ich freue mich über jedes neue Loch im Gürtel. Und ich freue mich wahnsinnig darüber, wie sehr sich meine Eltern freuen.

Denn das ist noch ein Punkt, den man niemals vergessen darf: Das Gewicht tut nicht nur einem Menschen selbst weh, sondern auch den Menschen, die sich um ihn sorgen.

 

Der Tag an dem ich einen Igel trat…

… oder auch: Der Tag an dem mein Karma den Bach runterging. Aber wie fange ich an dieses grauenhafte Erlebnis zu verschriftlichen? Klassisch, denke ich.

Es trug sich an einem der wenigen warmen (und damit meine ich nicht „warm“ sondern unerträglich übel) Tage dieses Jahres zu. Meine Eltern hatten den Umstand genutzt, dass ich Zeit hatte, und waren auf Jück ohne unsere treue Seele: den Hund. Dieser hatte das Vergnügen in meiner Obhut zu verbleiben. Nun jedenfalls war der Tag sehr warm, wir hatten viel Besuch und eine Menge Spaß – besonders der Hund. Vielleicht ist es nötig den Charakter des Hundes noch etwas zu beleuchten. Beinahe 10 Jahre alt, aufgekratzt, begeistert und ruhelos. Ein Hund in dessen Begleitung man Dinge hört wie „Oh, das ist aber noch ein ganz Junger, oder?“. Ein Hund der jeden Menschen liebt. Ein Hund der aber auch Bälle liebt. Und natürlich – wegen der optischen Ähnlichkeit und vielleicht auch wegen des Geruchs (wobei ich der Nase des Hundes keinerlei größeren Talente zuschreibe) – liebte er Igel. So viel zu dem Charakter des fraglichen Hundes.

Wir befanden uns also kurz vor dem offiziellen Ende des Tages als mir auffiel, dass ich das Licht in der Gartenhütte meiner Eltern angelassen hatte. Also nutzte ich die Gelegenheit den Hund noch einmal am Teich etwas trinken zu lassen und selbst mein Versäumnis bezüglich des Lichts nachzuholen. Als ich mich auf den Rückweg zum Haus machte, sah ich den Hund wie er mir begeistert einen Ball an die Stelle legte wo ich für gewöhnlich die Bälle für ihn warf/schoss. Seine Begeisterung kannte keine Grenzen. Also erbarmte ich mich des Hundes und beschloss einen letzten Ball für ihn zu werfen. Er ging ein paar Meter weg und brachte sich in Ballfangposition. Also schob ich meinen Fuß unter den Ball welcher mit seltsam schwer erschien, und beförderte ihn einige Meter durch die Luft. Ihr ahnt es bereits. Der Ball traf mit einem dumpfen Geräusch auf dem Rasen auf und der Hund begann aufgeregt und unfassbar glücklich herumzuspringen. Warum brachte er mir den Ball nicht wieder? Wieso hatte er ihn nicht gefangen? Wieso war der Ball so schwer? Und dann traf es mich. Mir wurde kalt und heiß gleichzeitig. Schweiß stand mir auf der Stirn. Was tun? Hatte ich das gerade wirklich getan? Sofort schnappte ich mir den fraglichen Anstifter dieser Schandtat und verfrachtete ihn ins Wohnzimmer, rief nur schnell „Ich glaube ich habe einen Igel getreten!“ und rannte wieder hinaus. Verfolgt wurde ich von dem Gelächter meines Übernachtungsgastes. Ich rannte also wieder zu der Stelle zurück. Tatsächlich. Ein Igel. Ich Unmensch. Er atmete, hatte sich fest zusammengerollt und erschien mir unverletzt. Und ich? Ich war in Panik. Mein schlechtes Gewissen manifestierte sich wie eine kalte Faust in meinem Magen. Alles schwankte zwischen Hysterie und Tränen. Ging es ihm wirklich gut? Hatte ich diesen unbescholtenen Igel ernsthaft verletzt? Ich wusste es nicht. Als ich wieder reinrannte um eine Lampe zu holen begegnete mir nicht nur ein völlig verwirrter Anstifter sondern auch mein immernoch schockierter und doch maßlos amüsierter Übernachtungsgast. Selbst mit Taschenlampe ergaben sich keine neuen Erkenntnisse. Also beschloss ich den Igel alleine zu lassen. Wieder auf den Weg ins Haus dankte ich dem Zufall mehrfach, dass ich ausnahmsweise mal nicht den Lionel Messi gemimt hatte und richtig ausgeholt hatte. Eigentlich hatte ich ja doch nur meinen Fuß unter die arme Kreatur geschoben und sie in einer elipsischen Flugbahn durch die Luft befördert. Nach wie vor war ich aufgekratzt. Mir wurde geraten einfach ins Bett zu gehen und nicht mehr daran zu denken. Aber wie konnte ich? Ich hatte einen Igel getreten. Also schlich ich mich immer wieder mit einer Taschenlampe zum Garten und suchte aus sicherer Entfernung den Rasen ab. Und dann die Erleichterung. Der Igel war mit seinen eigenen, kleinen Igelfüßen auf dem Weg aus dem Höllengarten und dann… weg.

Die Erkenntnisse:

  1. Tritt nachts niemals nach einem Ball, wenn dieser nicht eindeutig zu identifizieren ist.
  2. Traue dem Hund nicht.

Mein Karma ist im Keller. Erstmal an die Igelhilfe spenden. Und ich werde sicher nicht überrascht sein, wenn ich nach meinem Ableben vor der Pforte der Hölle stehe und man mir verkniffen mitteilt „Sie haben einen Igel getreten.“.

Maximal gestresste Prokrastinations-Prokrastinierung

Das Studentenleben. Alles wirkt so locker und flockig. Nun, meist ist es das auch. Und dann passiert es: Die eiskalte Realität springt in unsere Mitte und wie ein Haufen Kakerlaken im aufflackernden Licht einer Taschenlampe kriegen alle Studenten Beine und rennen zum nächstbesten Unterschlupf. Es ist ein Gewimmel und Gerenne. ES ist die Realität. Das verschärfte Bewusstsein um die eigene Trantütigkeit. Das Flimmern des Ziels im Augenwinkel. Eine Täuschung der Sonne? Nein. Leider keine Oase für Durstende. Eigentlich nur die Auszeichnung für „Super! Du hast es bis hier hin geschafft. Nimm dieses charmante Papier – welches dir natürlich keinen Job sichert – und studiere weiter!“. Plötzlich stehen sie da. Verabredet wie eine Schlägertruppe warten sie hinter der nächsten Straßenecke: Abgaben, Hausarbeiten, Referate, Tests und Prüfungen. Da ist auf einmal ein roter Kringel im Kalender des nächsten Jahres. Sein Name lautet „DEADLINE“. Was nach einem lustigen Anti-Helden klingt ist aber leider weder ein Superheld, noch anscheinend auf der Seite der Republik.

All das Lamentieren hilft nicht. Die Deadline ist im Anmarsch. Der Gürtel wird enger geschnallt, der Helm nachjustiert – es geht los. Obwohl ich mich für einen ehrlich prokrastinierenden und trotzdem tüchtigen Studenten halte, spüre auch ich plötzlich die kalte Hand der Deadlines. Ich sollte dem roten Kringel in meinem Kalender dankbar sein, sollte seine Exsistenz ehren und einsehen… er will mir helfen. Jetzt heißt es nicht mehr abends den Wecker stellen und bei dem zufriedenen „Wie lange kann ich noch schlafen, wenn ich JETZT einschlafe?“-Spiel einschlummern. Jetzt heißt es Tage zählen, Dozenten aufscheuchen und alle wichtigen Dokumente zusammenklauben. Aber all das ist zu schaffen. Andere lassen in der Zeit einen neuen Menschen entstehen. Da sollte der Rest des Bachelors wohl ein Zuckerschlecken sein.

Was haben wir gelacht.

Neulich in der Bahn…

… oder auch nicht. Eigentlich beginnt diese Geschichte ganz anders. Eins der Kernprobleme bestand nämlich tatsächlich darin in die Bahn zu kommen. Allerdings steige ich mal nicht mittig in diese Story ein. Nein, machen wir es traditionell: es begab sich an einem leicht verregneten Samstagvormittag, dass einige universitäre Pflichten anstanden. Der ungefähre Zeitrahmen von 9:00 bis 15:00 wurde – sehr zu meiner persönlichen Freude – nicht eingehalten und so hatte ich bereits um 14:00 die Chance in die nachmittägliche, triviale Freiheit zu entkommen. Völlig euphorisch schwebte ich zu der Haltestelle der Straßenbahn, gedanklich bereits meinen großzügig gesteckten Nachmittag planend. Als ich an dem neu asphaltierten Stückchen Heimatsverheißung stand und mein Blick auf die Anzeigetafel fiel, bemerkte ich zunächst die absonderliche Anhäufungen von Bahnen zum Stadion. Es ist nicht nur eigenartig, dass die Bahn alle 5 Minuten kommt, sondern auch die Endstation „Stadion“. Während mein Oberstübchen die Schultern zuckte begann mein Bauchgefühl bereits Panik witternd mit den Nüstern zu zittern. Bahnen alle 5 Minuten? Endstation Stadion? Samstag? Während ich diese Indizien mit Hilfe meines überragenden Intellekts (hier wäre ein leichtes Hüsteln angebracht) verband – welchem ich wohl auch zu verdanken hatte, dass ich nach wie vor keinen Spielplan oder ähnliches angeschafft hatte – und die unausweichliche Wahrheit ihren Weg in meinen Kopf bahnte, bahnte sich auch eine schwer arbeitende Straßenbahn ihren Weg an die Haltestelle. Den Fluchtinstinkt bereits im Nacken betrachtete ich das moderne Kunstwerk einer abstrakten Umsetzung von Tetris in rot und blau. Ich sah noch einige verzweifelte Gesichter, plattgedrückt an den Scheiben der Straßenbahn, als diese sich wieder quietschend und rüttelnd auf ihren Weg machte. „Gut.“, dachte ich so bei mir. „Nehme ich halt die nächste Bahn.“ Während ich weitere 45 Minuten an der Haltestelle stand, kam mir der Gedanke noch geschätzte 9 Mal. Langsam begann ich, einem Tier im Käfig nicht unähnlich, die Haltestelle auf und ab zu laufen. Ein skurriler Stummfilm aus ruckigem Umherwandern, Aufblicken, manischem Abtasten der Kapazität der Bahn und wütendem Kopfschütteln – gefolgt von mehr Umherwandern. Manche Bahnen waren direkt mit „Bitte nicht einsteigen“ versehen. Zunächst dachte ich noch, dass es eine Reaktion auf die hoffnungslose Überfüllung war. Allerdings war es wohl eher ein Versuch die „feindlichen Fans“ von den „guten Fans“ zu trennen. Die „Bitte nicht einsteigen“-Bahnen waren nicht nur vornehmlich mit blau bekleideten Menschen besetzt, sondern auch mit Polizisten an den Türen. Aber gut… war ja nicht so, als wenn ich geplant hätte irgendwo einzusteigen. Schlussendlich siegte die schwere Umhängetasche (welche mich auch am Laufen hinderte) und die angestaute Wut und ich zwängt mich doch in eine Bahn Richtung „Stadion“. Die Luft war stickig und angereichert mit Schweiß und Bier. Festhalten war vollkommen überflüssig, da ein Umfallen durch die pure Menschenmasse wohl verhindert werden würde. Mein Blick hing an einem alten, vergilbten Aufkleber für die Stationen und gedanklich wiederholte ich sie immer wieder. Gleichzeitig versuchte ich mein Gesicht nicht in die Achsel eines älteren Herrn zu drücken. Wie ein sterbendes Tier mit letzter Kraft zog sich die Bahn vorwärts. Verzweifelt versuchte ich die Expertisen der alkoholisierten Mittfünfziger hinter mir zu ignorieren. Mein „Nur 6 Haltestellen“-Mantra wurde allerdings abrupt von dem Stillstand der Bahn nach nur einer Haltestelle unterbrochen. Stehen zwischen den Haltestellen? Das konnte nichts Gutes bedeuten. Und tatsächlich: Ein Rückstau der Bahnen durch Vandalismus an den Türen. Bevor irgendwas weitergehen würde, müsste ein Techniker zur Reparatur antreten. Die Insassen meiner Bahn wurden unruhig. Während einige das Schicksal durch ihre gesungenen Parolen ermutigen wollten („Ihr l*tscht Schw*nze und nicht Busen, das tun alle aus Leverkusen!“), begannen andere allgemeine Panik wegen der angeblichen Sauerstoffknappheit zu verbreiten. Zugegeben, es war sicherlich jedes Sauerstoffmolekül in dem Wagon Hand in Hand mit einem unerfreulichen, übelriechenden Genossen aber ersticken würden wir hier wohl nicht. Dennoch entschloss sich das Kollektiv zu einer Benutzung der Notöffnung der Türen. Wie Wasser bei einem gebrochenen Damm ergossen sich die Menschen auf die zweispurige Straße. Neben dem Tumult aus Fans, flüchtenden Passanten und Mitarbeitern von Bahn und Polizei gesellten sich zu dem nicht ganz so angenehmen Geräuschpegel auch einige Autofahrer mit ihren Hupen hinzu. Obwohl ich nicht weit davon entfernt war zu einem grünen Comickerlchen zu mutieren, entschloss ich mich eine Lunge voll frischer Luft zu nehmen und mich auf einen der leeren Sitzplätze zu begeben. Durch die Scheibe gewann ich eine sehr nötige Distanz und konnte mir das Spektakel beinahe stumm geschaltet ansehen. Irgendwann, nachdem alle Türen per Hand von bemitleidenswerten Bahnmitarbeitern wieder geschlossen worden waren, ging es weiter. Und zum ersten Mal hatte ich die Sicht auf ein menschliches Jagdspektakel. Die Bahn setzte sich in Bewegung und die gleiche Bewegung ging auch durch die Menschenmasse. Man rannte und stolperte in der Hoffnung wieder in die Bahn zu kommen, die man gerade erst verlassen hatte. Eine kollektive Hoffnung gegen meine Freude bei dem Gedanken, dass alle urplötzlich ihre Schuhe verlieren würden und in einem bunten Haufen liegen bleiben würden. Da ein hundertfacher, unerklärlicher Schuhverlust doch sehr unrealistisch war schafften es die meisten der Rennenden wieder in die Bahn. Weiter verlangsamt durch Menschen auf den Straßen oder den Schienen schob sich die Bahn tapfer weiter Richtung Stadion und fuhr schließlich doch noch an einem Stück dort ein. Wieder ergoss sich die Menschenmenge aus der Bahn, doch diesmal rannte und stolperte jedes bebeinte Wesen in eine andere Richtung. Mittendrin, wie Simba in der Gnuherde, versuchte ich eine völlig andere Richtung anzustreben. Meter um Meter schaffte ich es, mit kleinen Rückschlägen, mich durch die Menschenmasse zu manövrieren und Land zu gewinnen. Schließlich, nach knapp zweieinhalb Stunden, warf ich entkräftet meine Tasche in den Fahrradkorb. Auf den letzten Metern mit kühlem Fahrtwind im Gesicht begleitete mich ein Gedanke. Ich möchte wirklich nicht generalisieren oder einen großen Teertopf aufmachen, aber: ich hasse Fußball. Da der Sport an sich zwar der Kernpunkt ist aber anscheinend auch nur den kleinsten Anteil an dem großen Konstrukt „Fußball“ trägt, ist das wohl auch in Ordnung. Wobei es wohl wirklich korrekt wäre den Löwenanteil der Abneigung an die langen, bunten Schals der Fußsballfans zu tackern.

Dennoch: die Quintessenz vieler kleiner Begegnungen im Rahmen von „Fußball“ (man denke an den Versuch der Fußballfans bei der vorletzten WM den Linienbus umzukippen, in welchem ich zufällig saß) und dem Leben im „Schatten des Stadions“ führt einfach zu der Tatsache, dass wir in diesem Leben keine Freunde mehr werden. Nicht, dass das irgendwem auffallen würde 😉

Hallo endloses Internet…

… dies ist ein Blog, der gelesen werden will. Obwohl er vielleicht gar nicht wirklich etwas mitzuteilen hat – vielleicht aber doch. Oder ist er genau aus diesem Grund lesenswert, weil er gerade nicht versucht etwas mitzuteilen?

Grundsätzlich entsteht dieser Blog weil der Mensch, der ihn tippt, mitteilungsbedürftig ist. Was will mitgeteilt werden? Alles und vielleicht auch gar nichts. Wer ist dieser tippende, sich mitteilen wollende Mensch? Ich.

Wer bin ich? Das „Ich“ bezieht sich auf ein Mädel aus dem Ruhrpott, welches das Nest für ihr Studium verlassen hat. Nach einigen Umwegen ging es dafür über den Rhein in die Stadt der Karnevalskultur. Obwohl inzwischen fast 3 Jahre ins Land gezogen sind, versteht sie nach wie vor kein Wort „Kölsch“. Seit sie ihr Nest verlassen hat ist viel – okay, stop. Ich werde diesen Blog nicht von mir selbst in der dritten Form handeln lassen und mit einem Personalparadoxon füllen. Das ist nicht nur zum Lesen zu anstrengend, sondern auch zum Schreiben furchtbar. Dieser Blog entsteht einfach aus einem Grund: Ich habe Bock darauf. Nicht weil ich mein Gedankengut für unfassbar verbreitenswert halte oder denke, dass ich unermesslich spannend bin. Das bin ich nicht. Ehrlich. Ich bin normal mit einer Tendenz zur eigenbrötlerischen Langeweile. Hier und da zeichnet sich vielleicht ein ungewöhnliches Hobby ab oder ein seltsamer Charakterzug. Aber mal die Fakten auf den Tisch – wer hat das nicht? Ich habe Menschen schon ihre Pommes mit Senf essen sehen und danach ist doch fast alles langweilig. Mein 25-jähriges Ich will schreiben und zwar über alles. Dabei geht es um die Probleme im Studium, selbstgemachte Probleme im Studium, Wohnungen, den neuen Haarschnitt des Nachbars, Begegnungen in Zügen, die Emotionen wenn die Waage immernoch auf die Sektion für einen durchschnittlichen, weiblichen Tiger zeigt oder die Flucht in die Ferne. Vielleicht werde ich auch ein bisschen über wissenschaftliches Arbeiten völlig unwissenschaftlich ablästern oder mein Kunststudium etwas durch den Kakao ziehen. Was mir Bock macht – oder halt nicht – landet hier. Eins ist dabei immer klar: Vielleicht sollte ich im Moment lieber für mein Studium arbeiten. Aber ich bleibe eine Meisterin der Prokrastination. Also ihr Gleichgesinnten, ihr Suchenden, ihr euch am Trivialen Erfreuenden und Andere-Aufgaben-Aufschieber: Willkommen.

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